[Anzeige] Auf den Spuren der Walser in Davos Klosters.

Anreise. „Ich frage Euch zum letzten Mal, seid Ihr bereit für das Finale.” - „Nein.” „Seid Ihr bereit für den letzten Song.” - „Nee.“ „Ich weiß Ihr seid bereit! Ladies and Gentlemen. Scurr Scurr, macht Lärm für unser letztes Lied.” Zwar komme ich mir vor, als ob ich mich mal wieder Samstags Abends in die heimische Kleinstadt-Disco verirrt hätte, allerdings ist es erst 15 Uhr am Montagnachmittag und ich befinde mich nur wenige Minuten von meiner Unterkunft in Davos Klosters entfernt. Neben mir die selbsternannte DJ Legende Lennart, der seit etwa 6 Stunden die Gewalt über das Aux-Kabel hat und seiner Armaturenbrett-Show einen würdigen Abschluss verleihen möchte. Und so rollen wir, unter musikalischer Begleitung von Capital Bras Hit „One Night Stand“ auf dem Parkplatz des Hotels Grischa ein. Dem Anlass entsprechend fragt Lennart sicherheitshalber nochmal nach: „Bruder, ist das nur ein One Night Stand?“. Die Frage kann ich glücklicherweise verneinen. Wir bleiben bis Samstag, sodass wir genug Zeit haben Davos Klosters ausgiebig zu erkunden.

Nachdem ich bereits im Rahmen der Best of the Alps Tour zwei Tage in Davos verbringen durfte, äußerte ich dem Tourismusverband gegenüber mein Interesse, mehr von der Region erfahren zu wollen. Mitte August saß ich zusammen mit Lennart an den Planungen für eine einwöchige Reise im September. Partyurlaub, Sportprogramm, Städtereise oder Bergtour? Nach ewigem Hin- und Her legten wir uns fest. Wir wollten in die Berge und es sollte eine gelungene Mischung aus Erholungs-, Kultur- und Sportprogramm werden. Da kam mir direkt wieder Davos Klosters mit seinem kostenlosen Sommer-Gästeprogramm in den Sinn…

Nach mehrstündiger Fahrt und einzigartiger Live-Show, stehen wir vollbepackt vor unserem Hotelzimmer; Denken wir jedenfalls. Als wir die Türe öffnen, betreten wir die Suite Bocktenhorn, die reichlich Platz bietet und unsere Erwartungen voll und ganz übertrifft. Weil das eigentliche Programm unseres Trips erst am nächsten Morgen beginnt, entscheiden wir uns, den restlichen Tag etwas ruhiger anzugehen. In aller Ruhe räumen wir unsere Koffer aus und erkunden das Hotel auf eigene Faust. 

Nach einem halbstündigen Mittagsschlaf, spazieren wir am frühen Nachmittag durch den Ortskern von Davos, um uns einen Überblick über die Gemeinde zu verschaffen. Später steuern wir mit dem Auto den Davoser See sowie den Flüelapass an. Es regnet wie aus Kübeln, was uns jedoch nicht davon abhält vor die Türe zu gehen. Getreu dem Motto: "Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung”, wagen wir uns aus dem Auto und halten nach tollen Motiven Ausschau. Die Spiegelung am Davoser See bleibt leider aus, sodass wir nach kurzem Halt weiterfahren. Am Flüelapass entdecken wir eine Brücke, die wir mit der Drohne fotografieren wollen. Sowohl der Regen als auch die nicht vorhandene Speicherkarte machen uns dabei einen Strich durch die Rechnung, sodass wir uns zurück ins Hotel begeben. Dort sind wir mit Petra Ruinatscha vom Tourismusverband zum Abendessen verabredet. In angenehmer Atmosphäre lassen wir den Abend gemeinsam ausklingen und besprechen das Programm für die kommenden Tage. 

Erkundung des Walserdorfs Monstein. Es ist 06.30 Uhr als der erste Wetter klingelt und ich voller Vorfreude den Vorhang aufziehe. “Kannst liegen bleiben, rufe ich Lennart entgegen. Wie ich sehe, sehe ich nicht viel”. Es ist sehr diesig, sodass wir unseren Schönheitsschlaf für einige Minuten fortsetzen, ehe wir uns für das Frühstück fertigmachen. Langsam aber sich klart es auf und die Sonne zeigt sicher von ihrer schönsten Seite. Sicherheitshalber kontrolliere ich, ob auch alle Speicherkarten an Bord sind und ziehe die Zimmertüre hinter uns zu. Im Anschluss an das Frühstück, fahren wir etwa 15 Minuten mit dem Auto in das Walserdorf Monstein. Während wir durch das Dorf gehen entdecken wir zahlreiche wunderschöne Gärten und Holzhäuser sowie eine Schule. Obwohl das auf 1620 Metern gelegene Dorf nur etwa 200 Einwohner hat, gibt es dort eine örtliche Gesamtschule. Ein weiteres Highlight stellt die dorfeigene Brauerei da, wo das Monsteiner Bier gebraut wird, das wir in den kommenden Tagen unbedingt probieren wollen.

Treffen mit Thomas Gadmer - Wissenswertes über die Walser. Zurück im Hotel angekommen, treffen wir uns mit Thomas Gadmer, dem Geschäftsführer der Walservereinigung Graubünden, die heute 2300 Mitglieder in verschiedenen Gebieten zählt. Mit ihm fahren wir gemeinsam in das  Seitental Sertig, um über die Geschichte der  Walser zu sprechen und uns die idyllische Gegend anzuschauen. Petra hat nicht zu viel versprochen. Thomas stellt sich als der perfekte Protagonist heraus. 

Er erzählt uns davon, dass die ganze Landschaft Davos von den Walsern aufgebaut wurde. Der Startschuss dafür datiert auf dem 13. Jhd., als die ersten Walser aus dem Wallis nach Davos einwanderten und einen Vertrag mit den Freiherren von Vaz aushandelten. Zu diesem Zeitpunkt bestand Davos überwiegend aus Wäldern. Für einen jährlichen Zins, erhielten die Siedler im Gegenzug ein Grundstück, das sie in Form von Naturalien oder Geld bezahlten. Da man nicht alles in der Region anbauen konnte, spielte der Import schon sehr früh eine wichtige Rolle. Dementsprechend wurde beispielsweise Vieh über die Pässe in den Süden verkauft und die Siedler kamen schon sehr früh mit Geld als Zahlungsmittel in Kontakt. Thomas Aussage nach zu urteilen, hatten die Siedler einen super Vertrag abgeschlossen, der auch den kommenden Generationen sehr gute Gestaltungsmöglichkeiten bot. Die Bergbauerngesellschaft lebte zu dieser Zeit nah an der Existenzgrenze. Noch heute spricht man davon, dass die Bergbauern stur ihrer Arbeit nachgingen und sich ihre Sparsamkeit auszahlte. Viele alte Davoser Familien sind nach wie vor sehr wohlhabend, weil sie seit Jahrhunderten sehr sparsam leben. Thomas erklärt uns, dass die meisten Ortsnamen heute deutsch sind und man romanische Namen nur selten findet; dazu gehören beispielsweise Clavadel oder auch Sertig. In Sertig angekommen, bekommen wir ein Gefühl für den typisch walserischen Lebensstil vermittelt. Dort haben sich die ansässigen Bauern vor etwa 300 Jahren eine eigene Kirche gebaut, die heute noch den Bauern und nicht der Kirchengemeinde gehört. Jährlich zahlen die dort ansässigen Walser Geld für die Instandhaltung der Kirche ein. Thomas erklärt uns, dass es typisch für die Walser sei, so viel wie möglich allein zu erledigen, und so wenig wie möglich zusammen zu machen. Wenn es jedoch für alle einen Vorteil darstellt, schließt sich die Gemeinde zusammen. Was uns direkt ins Auge fällt, ist die Bauweise der Häuser. Thomas erklärt uns, dass es sich dabei um die sogenannte Strickbauweise handelt, die sich insbesondere durch ihr Stabilität auszeichnet. Typisch für die Walserhäuser ist ihre schmale, hohe und lange Form sowie ihre Holzschindeldächer. Erhalten geblieben ist zudem bei einigen der Hauseingang auf der Seite. Zudem erfahren wir, dass die sogenannte Mauseplatte einzigartig bei der Speicherhütte ist, und es diese in Graubünden nur in Davos gibt. Der sogenannte Speicher auf Stelzen wurde aus dem Wallis mitgebracht und dient zur Aufbewahrung von Korn, Gerste oder Getreide. Lennart und ich sind sichtlich begeistert über die in unseren Augen einzigartige Tradition der Walser. Auf dem Weg zu dem Restaurant, in dem Thomas mit uns zu Mittag essen will, entdecken wir aus der Ferne einen Wasserfall. “Wenn ihr dorthin wollt, essen wir halt erst später.” Neben seiner unnachahmlichen Art, mit der uns Thomas das Leben der Walser näher bringt, ist er offen für unsere Vorschläge, was den gemeinsamen Ausflug sehr angenehm darstellt. Somit entscheiden wir uns sein Angebot anzunehmen und wandern entlang des Walserweges in Richtung Wasserfall. Dieser Weg diente früher dazu, die Walsergebiete über die Berge zu verbinden. Vergleicht man die Strecke der Wanderwege mit den Umwegen durch das Tal, erscheint einem die vor vielen Jahren bevorzugte Wegführung der Walser einleuchtend. Vom Ausmaß des Wasserfalls sind wir fasziniert, sodass wir einige Fotos machen, ehe wir das geplante Mittagessen in Angriff nehmen.

Während unseres Restaurantbesuchs, geprägt von gutem Essen und weiteren Informationen über die Walser, verlieren wir die Zeit aus dem Auge, sodass wir danach die Rückfahrt ins Hotel antreten. Thomas erzählt uns davon, dass Davos genauso wie vor 100 Jahren auch heute etwa 12000 Einwohner zählt und sich der Fokus des Tourismus verändert hat. Durch die Tuberkuloseheilung erlebte der Kurtourismus im 19. Jhd. einen Boom, der jedoch im Laufe der Zeit durch neue Medikamente zur Bekämpfung der bakteriellen Infektionskrankheit, immer weiter eingeschränkt wurde. Heute konzentriert sich der Tourismus insbesondere auf den Aktivitäts-, Familien- und Kongresstourismus. Auch die Rückfahrt mit Thomas, entlang der zahlreichen schönen Walserhäuser und blühenden Wiesen, gestaltet sich sehr informativ, sodass ich immer wieder neue Notizen in meinem iPhone festhalte.

Zweite Chance. Im Anschluss an unseren gemeinsamen Ausflug mit Thomas, bereiten wir uns im Hotel auf unsere abendliche Erkundungstour vor. Wir laden noch einmal alle Akkus auf und lassen den Vormittag anhand der erstellten Fotos Revue passieren. “Der war ja mal lässig”, halten Lennart und ich begeistert fest und wählen das Foto für unseren ersten Davos Klosters-Post aus. Erneut beginnt unser Wettlauf gegen die Zeit, denn vor dem Abendessen möchten wir noch zu den beiden Seen oberhalb des Flüelapass, um dort den Sonnenuntergang zu fotografieren. Auf dem Weg nach oben, halten wir nochmal an der Brücke, die wir am Tag zuvor entdeckt haben. Dort probieren wir verschiedene Perspektiven aus und merken nicht, dass es langsam aber sicher dunkel wird. In Windeseile fahren wir weiter zu den beiden Seen. Den Sonnenuntergang haben wir verpasst; ohne Foto fahren wir jedoch nicht zurück.

Glücklicherweise haben wir das Stativ im Kofferraum, sodass wir eine tolle Aufnahme am See umsetzen können. Ehe wir zurück in Richtung Hotel fahren, treffen wir an dem See auf zwei Holländerinnen, die sich den matschigen Pfad zum Ufer ausleuchten. Zugegebenermaßen stellen sich die beiden sehr ungeschickt an und landen um Haaresbreite im Wasser. Für ihr Erinnerungsfoto posieren sie zusammen auf einem Stein. Schnell wird deutlich, dass sie dort nicht mehr alleine runterkommen, sodass wir ihnen unsere Hilfe anbieten. Eine der beiden erzählt uns, dass sie in Davos in einem Krankenhaus arbeitet und sie dort ihre Freundin besucht. Die Beiden sind uns sympathisch, sodass wir uns am späteren Abend noch in Davos verabreden. Zunächst müssen wir jedoch zurück ins Hotel, da wir noch nicht zu Abend gegessen haben und allmählich der Magen knurrt. Glücklicherweise stellt unsere verspätete Ankunft kein Problem dar und die Kellnerin weist uns nochmal ausdrücklich darauf hin, dass wir uns beim Essen nicht hetzen sollen. 

Am kommenden Tag erwarten wir das anstrengendste Programm unseres Aufenthalts, sodass wir uns als Ziel setzen, spätestens um 23 Uhr im Bett zu liegen. Zugegebenermaßen, Ziele setzen ist einfach, sie einzuhalten manchmal jedoch umso schwieriger. Nach einem unterhaltsamen Treffen mit den beiden Holländerinnen, nimmt das abendliche Unterhaltungsprogramm kein Ende. Ein YouTube Video folgt dem nächsten und die Erzählungen über vergangene Unternehmungen lassen auch keine Ruhe einkehren. Gegen zwei Uhr entscheiden wir jedoch, dass es wohl besser sei, ins Bett zu gehen. Eine weise Entscheidung, denn um sieben Uhr klingelt bereits der Wecker.  

Naturschauspiel der Extraklasse - Wanderung zu den Jöriseen. Nach einem umfangreichen Frühstück, erhalten wir an der Rezeption unsere Lunchpakete für die Wanderung zu den Jöriseen. Direkt vor dem Hotel liegt die Station Bahnhof Platz. Von dort aus fahren wir mit dem öffentlichen Bus bis zur Station Wägerhus. Im Bus macht sich relativ schnell der Schlafmangel bemerkbar und ganz zu unserer Freude, dürfen wir an der nächsten Haltestelle unerwartet umsteigen. Unsere Sitzplätze geben wir schweren Herzens auf und fahren mit dem nächsten Bus zur Zielstation. Motivation sieht sicherlich anders aus, jedoch wissen wir zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht, was uns später erwartet. Als wir einige Meter zu Fuß zurückgelegt haben, sieht die Situation schon ganz anders aus. Für Lennart ist es die erste richtige Wanderung, die er jedoch super absolviert. „Das hier dient quasi als Vorbereitung für die neue Saison“, bemerkt Lennart hinsichtlich unseres bevorstehenden Basketballspiels Ende September. Nach etwa 40 Minuten erreichen wir unser erstes Ziel. Angekommen an der zweiten Wegbeschilderung, können wir zum ersten Mal auf die Jöriseen blicken. Von dort aus geht es nur noch bergab, sodass wir eine kleine Foto- und Trinkpause einlegen. Bis auf eine Stelle, ist der Weg ohne große Mühe zu absolvieren und stellt bei strahlendem Sonnenschein das perfekte Vormittagsprogramm dar. An den Jöriseen lassen wir uns viel Zeit und nehmen einige Fotos auf. Die Farbe des Wassers ist unbeschreiblich schön. So etwas haben wir beide noch nie zuvor gesehen und können es nicht erwarten, die Fotos am Computer zu bearbeiten. Von den Jöriseen aus geht es weiter zu der Endstation unserer Wanderung. Nach insgesamt 3,5 Stunden Fußmarsch erreichen wir das Berghaus Vereina, wo wir Einkehr halten. Im Anschluss an das gemütliche Mittagessen auf der Terrasse des Restaurants, fahren wir mit dem Bus zum Bahnhof Klosters Platz. Wir liegen optimal in der Zeit und erwischen nur wenige Minuten nach unserer Ankunft den Zug zurück nach Davos Platz. Im Hotel angekommen ruhen wir uns aus und bearbeiten die ersten Fotos. So anstrengend wie erwartet war es nicht, sodass wir frohen Mutes der E-Bike Tour am kommenden Vormittag entgegenblicken.

E-Bike Tour zum Jenisberg. Am nächsten Tag fahren wir nach einem stärkenden Frühstück mit dem Bus zum Bahnhof Davos Dorf, wo wir gegen neun Uhr an der Bike Academy mit Marcel verabredet sind. Marcel arbeitet bei der Bike-Academy und soll uns das Fahren der E-Bikes an diesem Tag näher bringen. Als er erzählt, dass er ebenfalls gerne fotografiert, kommen wir drei schnell auf einen gemeinsamen Nenner. Bevor wir losgehen, macht uns Marcel mit den geltenden Regeln vertraut, denn Wanderer und Mountainbiker dürfen dieselben Wege benutzen. Hierbei ist eine rücksichtsvolle Einstellung beider Seiten die Voraussetzung für ein erfolgreiches Miteinander auf den Wegen. Vom Bahnhof Davos Dorf fahren wir entspannt in Richtung Golfplatz und von dort aus auf die Schotterstraße in Richtung Clavadel. Über den Junkerboden wechseln wir die Talseite und radeln durch Spina nach Monstein. Über sanft ansteigende Wanderwege fahren wir von Monstein zum Schmelzboden, wo man das Bergbau Museum besichtigen kann. Marcel gibt ein sportliches Tempo vor, mit dem wir gut mithalten können. Als nächstes fahren wir zu einer Steinbrücke, ehe wir einen tollen Blick auf das Wiesnerviadukt erlangen, wo in diesem Augenblick die Bahn rüberfährt. Marcel erzählt uns, dass täglich historische Fahrten zwischen Davos Platz und Filisur angeboten werden. Dabei erkunden die Passagiere der Krokodil-Lok das Landwassertal auf besondere Weise. Im Anschluss an unseren kurzen Zwischenstopp fahren wir zum Jenisberg, wo wir zum Mittagessen einkehren möchten. Langsam aber sicher bekommen wir die ersten Grenzen aufgezeigt. Auf dem Schotterweg dreht das ein oder andere mal zwar das Rad durch, den Anstieg bekommen wir dennoch recht gut bewältigt. Wer davon ausgeht, dass einem das E-Bike beim Radfahren die Arbeit abnimmt, liegt gänzlich falsch. Es unterstützt einen auf steileren Passagen sehr gut, treten muss man dennoch selbst. So bleibt es nicht aus, dass das ein oder andere “Wie lange noch” Marcel erreicht. Nach dem anstrengenden Aufstieg belohnen wir uns im Jenisberger Gässälibeiz mit einem Mittagessen, wo wir wie immer sehr freundlich empfangen werden. Der Inhaber erzählt uns, dass das Restaurant seit dem Jahre 2000 geöffnet ist und damit das erste Restaurant am Epictrail darstellt. Wenn man vom Jakobshorn startet, findet man als Biker hier die erste Schenke. Insbesondere Wanderer und Radler schauen gerne vorbei. Von dem Inhaber erfahren wir einiges zu den Bewohnern des Jenisbergs. Dieser zählt acht Einwohner, die das ganze Jahr dort verbringen. Auch beim Jenisberg handelt es sich um eine typische Walsersiedlung, sodass wir durch unser kürzlich erworbenes Walserwissen schnell ins Gespräch kommen. In früherer Zeit waren die Bauern am Jenisberg sehr arm, sodass die Siedlung mindestens vier bis fünf Höfe brauchte um nicht einzugehen. Er erzählt uns, dass in höchsten Zeiten bis zu 70 Leute am Jenisberg wohnten. Dazu zählten zum Teil die Knappen aus dem Bergwerk, die in drei nebeneinanderliegenden Häusern beheimatet waren. Als es einen Brand gab, blieb eines der drei Häuser stehen, aus dem später eine Schule errichtet wurde. Noch heute heißt es, dass über den Jenisberg der Geist Johannes Strubs wacht. Dieser entdeckte nach langem Stillstand das Bergwerk wieder und begann damit die Stollen auszugraben. Nach einer entspannten Pause und einem tollen Einblick in die Geschichte der recht überschaubaren Walsersiedlung, geht es für uns mit den Rädern bergab zum Wiesner Bahnhof. Von dort aus fahren wir mit der Bahn zurück nach Davos Dorf, wo wir unsere Fahrräder abgeben und uns von Marcel verabschieden. Insgesamt sind wir sowohl von der Strecke als auch von der Fahrt mit den E-Bikes begeistert, obwohl unser Ausflug kräftezehrender als erwartet ausfällt. Somit entscheiden wir uns, die verbleibende Zeit vor dem Abendessen entspannt anzugehen und lediglich ein paar Fotos zu bearbeiten.

Haushalt und Leben der Walser. Am kommenden Morgen macht sich die über 30 Kilometer lange Radtour langsam aber sicher bemerkbar. Jedoch steht zu guter letzt ein ruhigeres Tagesprogramm auf unserer Agenda, mit dem wir uns sehr gut anfreunden können. Nach dem Frühstück fahren wir mit dem Auto zum Walsermuseum in Klosters, zu dem sogenannten Nutli Hüschi. Dort sind wir mit der Vorsteherin der Walserveinigung verabredet, die sich den Vormittag freigehalten hat, um uns durch das Museum zu führen. Nachdem wir bereits einige Walserhäuser von außen sehen konnten, freuen wir uns endlich einen Blick ins Innere werfen zu können. Von Barbara Guyan erfahren wir, dass sich die Einteilung der Häuser recht ähnlich darstellt und das Meiste aus Holz angefertigt wurde, da es früher sehr viele Wälder gab. Man verarbeitete das, was in der jeweiligen Region vorhanden war. Zudem wurde das Wohnzimmer immer gegen das Tal gebaut und die Küche gegen den Berg gemauert. Das Museum gibt es bereits seit 1925, wodurch es das zweitälteste in Graubünden darstellt. Zu verdanken hat man es Fritz Schoellhorn, einem Feriengast, der das Haus im Originalstil wieder aufgebaut hat. Das Haus wurde ursprünglich von Christian Nutli, Teil des alten Walser Geschlechts Nutli, im Jahre 1565 erbaut. Dass die Leute damals sehr klein waren, stellt Lennart fest, als wir den Keller betreten. Aufgrund der Körpergröße sah man damals keinen Grund noch tiefer in den Grund zu graben, weshalb Lennart, im Gegensatz zu meiner Wenigkeit, an seine Grenzen stößt.

Barbara Guyan erklärt uns, dass man den Kellerboden aus Erde baute, da er somit Feuchte abgab und die Erhaltung des dort lagernden Käses unterstützte. Des Weiteren erhalten wir von ihr weitere Informationen über die damalige Ernährung. Gemüse war früher nur wenig vorhanden, weshalb sich die Walser überwiegend von Butter, Milch und Fleisch ernährten. Sowohl beim Hausbau als auch bei der Verpflegung, nutzten die Leute die Mittel, die vorhanden waren. Nach der Besichtigung des Kellers, führt uns Barbara Guyan in die Küche, die sich im Erdgeschoss befindet. Dort gibt es zwei Feuerstellen. Eine zum Kochen, die andere diente dem Beheizen der Stube. Sie erzählt uns, dass früher alles in Breiart gekocht und vieles wiederverwendet wurde. Wenn beispielsweise eine Sense kaputt war, fügte man ihr Löcher hinzu und nutzte sie als Reibe. Damals gab es natürlich noch keine Elektrogeräte, sodass man anstelle des Kühlschrankes eine sonnengeschützte Nische in der Wand anbrachte. Dadurch, dass Seife sehr teuer war, wurden Bettwäsche und Tischwäsche nur zwei mal im Jahr in einer Lauge gewaschen. Auch die groben Bekleidungsstücke wurden nur zwei Mal im Jahr in einem großen Bottich gereinigt. Dazu wurde die Kleidung bis zu sieben mal überbrüht, bis sie komplett eingeweicht war. Anschließend wurde sie am zweiteiligen Brunnen ausgewaschen. Dieser verfügte über einen großen und einen kleinen Trog. Das Schmutzwasser floß während der Reinigung in den kleineren der Beiden. Zudem wurde nur einmal im Monat Brot gebacken, weshalb man das Brot aufschichtete und zwar so hoch, dass die Mäuse nicht drankamen. Des Weiteren unterstützten die sogenannten Klotzfallen die Abwehr der Mäuse. “In einem solchen Haushalt wohnten damals bis zu zehn Personen”, erklärt Guyan während wir in das nächste Zimmer treten. Die Kinder gingen von Herbst bis Frühling in die Schule. Den Rest des Jahres halfen sie ihrer Familie zu Hause. Die Mädchen kümmerten sich um die Handarbeit, während die Jungen dem Vater auf dem Feld halfen. Selbst die Schulranzen der Kinder wurden aus Holz gebaut. Häufig kamen die Kinder jedoch mittags nicht nach Hause, weil es im Dorf selbst keine Schule gab. In diesem Fall wurde die Nahrung mitgenommen und beispielsweise bei Verwandten oder Freunden der Tag verbracht. Zudem hatte der Lehrer neben seiner schulischen Tätigkeit eine kleine Landwirtschaft oder arbeitete als Pfarrer oder Arzt, wenn die Schule geschlossen war. Laut Barbara Guyan hatten die Freiherrn von Vaz große Freude an der Bescheidenheit und dem Fleiß der Walser, weshalb sie ihnen mehr Rechte als anderen Romanen einräumten.

Als wir das Obergeschoss betreten, werden wir direkt auf ein kleines Fenster aufmerksam, das sogenannte Seelenfenster, das den verstorbenen Seelen den Auslass gewähren sollte. Die Betten sind alle sehr kurz, was unteranderem daran liegt, dass sich die Leute nicht trauten gestreckt zu liegen. Sie dachten, sie bekämen zu wenig Luft, weshalb sie eher aufrecht schliefen. „Man liegt erst gestreckt sobald man tot ist”, erzählt uns Guyan mit einem Zwinkern. Zu guter Letzt, werfen wir einen Blick in den Stall, der früher in Kleinviehstall und Kuhstall unterteilt war. Heute hat man dort die Werkstatt eingerichtet, um zu veranschaulichen, welche Werkzeuge man früher verwendete. Beim gemeinsamen Mittagessen sind Lennart und ich uns sicher, dass wir schon einiges über die Geschichte und das Leben der Walser erfahren haben. Gleichermaßen sind wir davon fasziniert, dass man früher darauf achtete, eine andere Verwendung für etwas zu finden, nachdem es seinem eigentlichen Zweck nicht mehr diente.

Zu Besuch im Blumendorf Saas. Nach unserer Mittagspause fahren wir nach Saas, wo wir uns mit Rolf Rauber treffen. Rauber wirkt sehr entspannt und ist für nahezu jeden Spaß zu haben. Er berichtet uns über den Aufbau des Dorfes, das aus zwei Gassen besteht und erzählt uns, dass bis Ende 2015 Saas eine selbstständige politische Gemeinde war. Saas liegt ungefähr 10 Kilometer nordwestlich von Klosters und stellt den nördlichsten Campanile-Turm Graubündens, den man Heinrich von Albertini zu verdanken hat. Rauber führt uns zunächst durch die Kirche und anschließend über die untere Gasse sowie die Hauptgasse des Dorfes. Er berichtet uns von der Geschichte Saas, die unteranderem der Brand von 1741 kennzeichnet, bei dem Teile der Kirche abbrannten. Da damals kein Geld zum Wiederaufbau zur Verfügung stand, trat die Bündner Synode in Kraft. Im ganzen Kanton wurde daraufhin die Brandsteuer zum Wiederaufbau der Kirche erhoben, die im 16 Jhd., wie auch alle anderen Kirchen, reformiert evangelisch war. Typisch walserisch finden wir auch heute in Saas eine sehr schlichte Kirche vor. “Die Kirche stammt aus dem Jahre 1290, der neue Kirchturm wurde 1741 erbaut”, erzählt uns Rauber während wir durch die Gassen spazieren. Rund um den Kirchturm befinden sich viele markante Doppelhäuser, die teilweise direkt mit einem Stall verbunden sind. Neben zahlreichen Informationen zu den Walsern, von denen uns mittlerweile schon berichtet wurde, erklärt uns Rauber, dass das Haus immer mit der Front gegen Süden steht, der Stall in der Regel in Richtung Ostwest erbaut wurde. Besonders stolz ist Rauber auf die Auszeichnung Saas zum Blumendorf. Soweit das Auge reicht, findet man auf den Balkonen bunte Blumenkästen, die im Zusammenspiel mit den Holzhäusern ein tolles Motiv darstellen.

Auf Wiedersehen. Nach dem schönen Rundgang durch das Dorf, geht es für uns zum letzten Mal ins Hotel Grischa. Da die Schulferien in Baden-Württemberg enden, entscheiden wir uns bereits von Freitag auf Samstag nach Hause zu fahren um weitestgehend mögliche Staus zu umgehen. Im Hotel packen wir unsere Sachen zusammen und treffen uns zum Abschluss mit Petra und Andreas vom Tourismusverband zum gemeinsamen und leider letzten Abendessen.

Wer hätte es gedacht. Im Auto angekommen, hat Lennart bereits die Playlist präpariert und das Aux-Kabel mit seinem Handy verbunden. Die Rückfahrt verläuft gleichermaßen unterhaltsam wie Aufenthalt und Hinweg, und die lästigen Staus bleiben uns erspart. Während ich Lennart den ein oder anderen Verbesserungsvorschlag für seine Playlist unterbreite, sind wir uns in einer anderen Angelegenheit einig.

Unabhängig davon, ob man nach einer geeigneten Region für einen Familien, Kultur- oder Sporturlaub sucht, Davos Klosters hat für jeden etwas zu bieten. Wir kommen gerne wieder!











[Anzeige] Roadtrip mit dem Audi Q8 durch vier Best of the Alps Destinationen. 

Nach wenigen Stunden Schlaf und mehrfacher Betätigung der Schlummertaste, stehe ich im Aufzug des NH-Hotels am Münchner Flughafen. Im Frühstücksraum angekommen, vergewissere ich mich, dass ich nicht verschlafen habe, da mir bereits einige Gäste entgegenkommen.
Der Tag wird lang, da bin ich mir sicher. Und somit entscheide ich mich, dem Rat meiner Oma zu folgen und der wichtigsten Mahlzeit des Tages ausgiebig Platz einzuräumen. Ich erhasche einen kurzen Blick auf das bereitgestellte Buffet und werde rasch fündig. Weißwürste mit süßem Senf, Rührei, Kartoffeln und Nürnberger. Ich bin zufrieden, es könnte schlimmer sein. Alkoholfreies Weißbier ist nicht aufzufinden, was das einzige Manko an diesem Morgen darstellt. Meine kurze Nachricht samt Foto des kulinarischen Angebots, wird in der Familien-WhatsApp-Gruppe wie folgt kommentiert: „Super Würste“. Über Gesellschaft bei dem kaiserlichen Festmahl hätte ich mich eigentlich gefreut. In diesem Fall bin ich jedoch froh, das niemand mitliest.  Vor der Abfahrt zum vereinbarten Treffpunkt, packe ich noch Beauty Case, iPhone-Kabel und Laptop in den Koffer und begebe mich vor das Hotel. Ich treffe auf Ása, Leon, Simone und Sarah, sowie auf Harald und Martin von friendship.is, die den Trip organisiert haben. Unser Shuttlebus trifft pünktlich ein und wir rollen los in Richtung Münchner Flughafen. Dort warten bereits die anderen Teilnehmer, sowie vier Audi Q8 in Drachenorange auf uns. Nach kurzem Kennenlernen vor der myAudisphere, begeben wir uns mit der Fahrzeugflotte zu dem nahegelegenen Trainingsgelände. 

Alex und Uwe, unsere Instrukteure für den Trip, heißen uns herzlich willkommen und freuen sich, uns auf die Fahrt mit dem neuen SUV-Coupé vorzubereiten. Nach kurzer theoretischer Einweisung und organisatorischer Formalia, geht es für uns mit dem Audi S5 Sportback auf die Teststrecke, wo wir Gefahrenbremsungen absolvieren sollen. Das Cockpit teile ich mir mit Tom, der offensichtlich genauso viel Benzin im Blut hat wie ich. Von Alex können wir jedoch beide noch sehr viel lernen. Sie absolviert mit uns den ersten Durchgang und wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Ziel ist es, nach langsamem Rollen, das Gaspedal durchzutreten und erst dann zu bremsen, sobald das Signal ertönt und oberhalb des Lenkrads aufleuchtet. 

Bei den ersten zwei Anläufen verhalten wir uns noch zurückhaltend. Immerhin hat der S5 354 PS. und beschleunigt in 4,7 Sekunden von 0 auf 100, sodass der entgegengebrachte Respekt durchaus angebracht ist. Beim dritten Versuch platzt endlich der Knoten und wir rasen mit 85 Km/h auf die aufgereihten Hütchen zu. Das Signal ertönt und wir kommen in der markierten Zone zum Stillstand. Zwar hoffen wir, dass uns eine solche Situation mit dem Q8 erspart bleibt, dennoch fühlen wir uns nun gut vorbereitet, den 2,2 Tonner über die Straßen der Alpen zu bewegen.  Im Anschluss an das Training fahren wir zum Mövenpick Hotel, wo wir zu Mittag essen, ehe sich unsere Gruppe aufteilt. Wir erhalten eine Zeitvorgabe, wann wir in der ersten Destination, in Lech Zürs am Arlberg, eintreffen sollen. Zusammen mit Sebastian, mit dem ich vor zwei Jahren bereits unterwegs war,  teile ich mir einen der Q8. Obwohl wir beide sehr viel Gepäck dabeihaben, bekommen wir alles im Kofferraum verstaut, der mit 605 Litern Volumen ausreichend Platz bietet.  Nachdem wir den zähen Stadtverkehr hinter uns gelassen haben, nutzen wir die freie Autobahn, um einige Minuten wieder gut zu machen. Währenddessen merken wir aufgrund der Doppelverglasung sowie des leisen Antritts des Dreiliter-V6 gar nicht, wie schnell wir fahren, ehe wir auf den Tacho blicken und positiv überrascht sind. Der Spaß auf der Autobahn hält allerdings nur kurz an, da wir uns entscheiden, die Route entlang des Plansees einzuschlagen. Nach etwa 3,5 Stunden treffen wir in Lech Zürs am Arlberg ein. 

Nach dem Einchecken in unsere Unterkunft, nutzen wir die Zeit vor dem Abendessen und erkunden mit dem Q8 die Region. Während wir uns für die Gemeinde begeistern, die dafür bekannt ist, das Herz des Wanderers höher schlagen zu lassen, ziehen wir unweigerlich die Blicke der Passanten auf uns. Neben der einzigartigen Karossiere, sticht die Farbe direkt ins Auge. Eigentlich bevorzuge ich eher schlichte Farben, jedoch unterstreicht das Drachenorange Metallic das wuchtige Außendesign des Q8 perfekt. Einer Sache sind wir uns sicher. Der Wagen dürfte keinem entgangen sein. Kurze Zeit später treffen auch die anderen Teilnehmer ein und wir beginnen unsere erste Wanderung. Zusammen geht es durch ein ruhiges Waldstück, entlang des Lechs zum Gasthof Klösterle im Ortsteil Zug. Während wir uns an den Käsespätzle erfreuen und sich die Gruppe untereinander kennenlernt, vergeht die Zeit wie im Flug, sodass wir nicht mitbekommen, dass bereits die Dunkelheit einbricht. Doch für jedes Problem gibt es bekanntlich eine Lösung, sodass wir anstatt zurückzulaufen, mit dem Taxi zurück zum Hotel fahren. Bevor ich mich zur Ruhe begebe, füge ich meiner Instagramstory einige Fotos und Videos hinzu und stelle meinen Wecker auf 04.00 Uhr ein. Nach fünf Stunden Schlaf packe ich meine Kameraausrüstung in meinen Rucksack und lege sicherheitshalber den Regenschutz dazu. Nach kurzer Fahrt mit dem Q8, wandern wir circa eine Stunde durch die Dunkelheit zur Siedlung Bürstegg. Zwar bleibt der Sonnenaufgang aus, jedoch sind wir heilfroh, trocken wieder am Parkplatz anzukommen, ehe die erste heftige Regenschauer beginnt. 

Zurück im Hotel, wartet nach einer warmen Dusche ein umfangreiches Frühstücksbüffet auf uns. Als nächstes steht für einen Großteil der Gruppe das Hydrospeeding auf dem Programm. Aufgrund leichter Erkältungsanzeichen, entscheiden sich Tom, Sarah und meine Wenigkeit dazu, anstelle der Teilnahme am Wassersport, den Q8 in Oberlech abzulichten. Nachdem wir unsere Aufnahmen im Kasten haben, wartet eine weitere Stärkung sowie der nächste Programmpunkt auf uns. Nach Wiener Schnitzel und Apfelschorle, wandern wir nach oben zum Rüfikopf. Wie bereits am Morgen, ist es nach wie vor sehr bewölkt, worüber sich zu der Uhrzeit jedoch niemand beschweren möchte. Die Wolken ziehen um die Berge und ergeben somit ein düsteres aber eindrucksvolles Fotomotiv. Im Anschluss an die einstündige Fotosession, fahren wir zurück ins Tal und es bleibt ein wenig Zeit, um die ersten Bilder zu bearbeiten.

Knapp 30 Minuten entfernt liegt St. Anton am Arlberg, wo wir unser nächstes Lager aufschlagen. Nahe des Skihotels Galzig essen wir zu Abend und im Gegensatz zum vorherigen Tag, können wir am nächsten Morgen etwas länger schlafen. Deshalb entscheiden wir uns, das kulinarische Angebot ausgiebig auszukosten und lassen es uns richtig gut gehen. Nach dem Frühstück fahren wir um 09.00 Uhr mit der Gondel hoch zur Valluga. Da wir leider erst später als geplant ankommen, verpassen wir am Gipfel das vorhergesagte Wolkenmeer. Sebi, Tom und ich überlegen, ob nicht irgendeine Möglichkeit besteht, am kommenden Morgen zum Sonnenaufgang bereits oben zu sein. Jedoch werden am darauffolgenden Tag an der Bergbahn Wartungsarbeiten durchgeführt, sodass es nicht möglich ist, mit der Gondel hochzufahren. Einen genauen Plan haben wir zu dem Zeitpunkt noch nicht, die Hoffnung möchten wir so schnell jedoch nicht begraben. Gegen Mittag leihen wir uns E-Bikes aus und fahren mit allen Teilnehmern zu einem Gasthof. Bei Kaiserschmarren und alkoholfreiem Bier, genießen wir die Pause bei frischer Alpenluft. Auf dem Rückweg halten wir bei einem Kletterpark, wo wir verschiedene Parcours absolvieren und uns vor dem Abendessen nochmal ausgiebig sportlich betätigen. Auf die Mitarbeiter des Hotels und des Tourismusverbandsist Verlass. Zwar können wir am nächsten Morgen nicht mit der Bergbahn auf die Valluga fahren, jedoch organisieren sie uns drei E-Bikes sowie einen kleinen Transporter, um uns den Aufstieg zum Gipfel zu erleichtern. 

Es ist 03.00 Uhr, als mich Bon Scott mit Highway to Hell aus dem Schönheitsschlaf reißt. Während ich mich beim Anziehen frage, was ich hier überhaupt veranstalte, hoffe ich, dass sich das frühe Aufstehen auszahlt. Motivation sähe zu diesem Zeitpunkt sicherlich anders aus. Nach kurzer Fahrt mit dem Transporter zu einem Parkplatz unterhalb der Bergbahn, radeln wir, bewaffnet mit unseren Handytaschenlampen los. Soweit klappt alles ganz gut und überraschenderweise kann ich bei Sebis und Toms Tempo ganz gut mithalten. Als es jedoch steiler wird und mein Vorderrad auf der Schotterstraße durchdreht, bin ich gezwungen abzusteigen. „Fahrt ruhig vor, ich schaue mal wie lange ich brauche.“ Nach der ersten kräftezehrenden Steigung habe ich zunächst keine Ambitionen mehr, überhaupt weiterzufahren. Jedoch sehe ich es als relativ unnötig an, vor zwei Stunden aufgestanden zu sein, um den Berg dann wieder runterzufahren und nicht mal ein vernünftiges Foto gemacht zu haben. Das Szenario des Abwägen spiele ich etwa zehn Minuten lang durch. Zwar stehe ich gerade mit dem Fahrrad an einem Hang und von Günther Jauch ist weit und breit keine Spur, jedoch habe ich das Gefühl, dass ich alle Joker verbraucht habe und vor der entscheidenen 50:50 Frage bei Wer wird Millionär stehe. Kurzerhand entscheide mich, noch ein Stück weiterzuschieben und danach noch ein Stück weiterzuschieben und weiterzuschieben und irgendwann fahre ich auch normal mit meinem Fahrrad weiter. Bis ich am nächsten steilen Hang ankomme und das ganze Spiel von vorne losgeht. Ein Ausstehender hätte sicherlich angenommen, dass ich unter Schizophrenie leide. „Ich hab keinen Bock mehr“, „wir schaffen das“, „nochmal auf die Zähne beißen“ oder „soweit ist es sicher nicht mehr“. Durch meinen Kopf schwirren allerlei Sätze und die motivierenden bete ich mir nach und nach vor. Der letzte Aufstieg mit dem Fahrrad verläuft beschwerlich, ehe mir wieder bewusst wird, dass sich der Tourismusverband Mühe gegeben hat, die Räder und den Transporter zu organisieren und ich das Gefühl habe, den entgegengebrachten Einsatz mit einem vernünftigen Foto vom Sonnenaufgang zurückzuzahlen. Das Ziel kann nicht mehr so weit sein. Ich schiebe das Fahrrad noch einige Meter weiter und setze mich erneut auf den Sattel. Die Handytaschenlampe, die mich bis dato aufgrund der Dunkelheit in meiner Bewegungsfreiheit behindert hat, kann ich nach der letzten Steigung ausschalten.

Als ich den Berg nach oben blicke, entdecke ich ein mir signalisierendes Licht. Sebastian und Tom sind gar nicht mal so weit weg wie ich erwartet habe. Schätzungsweise liegen sie mir 15-20 Minuten voraus. Neben einem Schneefeld stelle ich das Rad neben ihren Rädern ab und trete den letzten Abschnitt des Aufstiegs zu Fuß an. Nach etwa 30 Minuten Gehweg steht langsam aber sich der Sonnenaufgang bevor. Die Wanderung hat für mich aber auch einen nostalgischen Effekt. Ein wenig komme ich mir so vor wie Frodo auf dem Weg zum Schicksalsberg. Jedoch ist mein Weg besser ausgebaut und das Hochsteigen der steilen Treppe nach Mordor, bleibt bei mir ebenfalls erspart. Bis nach ganz oben schaffe ich es voraussichtlich nicht mehr, sodass ich mich dazu entscheide, ungefähr 80 Meter unterhalb des Gipfels mein Kameraequipment auszupacken und an einer geeigneten Stelle auf den Sonnenaufgang zu warten. Der lange Aufstieg und das frühe Aufstehen haben sich ausgezahlt. Das Licht bricht durch die Wolken und der Himmel färbt sich feuerrot. 

Nachdem ich meine Fotos im Kasten habe, warte ich auf Sebastian und Tom. Nach einer Stunde werde ich langsam stutzig: „Irgendwas passt da nicht“, denke ich und rufe sicherheitshalber Tom auf seinem Handy an. „Hat der Sebastian Dich nicht erreicht?“ - „Ne, warum? Der hat sicher noch meine alte Nummer.“ - „Wir haben hier ein kleines Problem. Die Drohne hat einen Abgang gemacht und wir suchen nun danach. Warte am besten oben, wir müssen an der anderen Seite runter. Du kannst sonst schon runterfahren.“ Runterfahren ist für mich die letzte Option. Allerdings weiß ich auch nicht, wo Sebastian und Tom genau abgestiegen sind, sodass ich bei den Fahrrädern auf sie warte. Aus meinem Drohnenkoffer, dem Rucksack und meiner Jacke bastel ich mir zwischen ein paar Steinen eine angenehme Unterlage und hoffe, dass die beiden Sebastians Drohne wiederfinden. Nach einer Stunde ruft mich Tom erneut an. „Wir haben sie nicht gefunden und kommen jetzt runter.“ So hatten wir uns den Ablauf unseres morgendlichen Ausflugs nicht ausgemalt. Zumal uns langsam aber sicher die Zeit davonläuft. Während die anderen noch beim Mountain-Yoga sind, um ein wenig in der Natur abzuschalten, fahren wir mit den Rädern zurück in Richtung Tal. Anstatt wie geplant um acht Uhr im Hotel einzutreffen, um dort ein wenig Schlaf nachzuholen, stehe ich um elf Uhr unter der Dusche. Die Mitarbeiter des Skihotels Galzig haben Verständnis für unsere Verspätung und lassen uns alle Zeit der Welt, um uns in Ruhe fertig zu machen. Das gemeinsame Mittagessen mit der Gruppe an der Zwischenstation, erreichen wir nicht mehr, sodass wir im Ortskern von St. Anton noch eine Stärkung zu uns zu nehmen. 

Vor unserer Fahrt zur nächsten Destination, decken wir uns im nahegelegenen Supermarkt mit reichlich Red Bull ein und machen uns zu dritt mit dem Q8 auf den Weg nach Davos, wo wir im Hard Rock Hotel einquartiert sind. Nach einem kurzen Nickerchen, folgt eine Führung durch das Hotel und die Vorstellung des Ortes, ehe wir zum gemeinsamen Abendessen aufbrechen. Besonders fasziniert, sind wir von der nachgewiesenen heilenden Wirkung des Davoser Klimas. Der erlebnisreiche Tag, findet bei Lagerfeuer, Marshmallows und Moscow Mule auf der Dachterrasse einen gelungenen Ausklang. Für den kommenden Morgen planen wir zusammen mit der ganzen Gruppe ein Shooting des Q8 zum Sonnenaufgang am Flüelapass. Eine Mitarbeiterin des Hotels ist von unseren Fotos bei Morgenlicht so fasziniert, dass sie sich entscheidet am nächsten Morgen mitzukommen. Die Straßen sind zur frühen Stunde noch leer, sodass wir in Ruhe den Wagen in der Umgebung des Flüelapasses ablichten können, ehe es zurück zum Frühstück geht. Danach geht es für uns auf die Madrisa. Von dort aus wandern wir ins Schlappintal, wo im Anschluss das abschließende Mittagessen auf dem Programm steht. Auch diese Nacht war nur recht kurz, sodass wir uns umso mehr über die Stärkung im Tal freuen. 

Als nächstes steht die Weiterfahrt nach St. Moritz auf der Agenda, wo wir die nächsten zwei Tage verbringen. Nach unserem Check-In im Kulm Hotel, fahren wir mit der Bergbahn zum Restaurant am Muottas Muragl, wo wir zu Abend essen. Als der Sonnenuntergang anbricht, leeren sich unsere Tische abrupt, während die anderen Gäste das Naturschauspiel von drinnen betrachten. Von der Terrasse des Restaurants aus, genießen wir einen wundervollen Ausblick über St. Moritz und können erahnen, wo sich die drei 3000er rund um den Ortskern befinden. Wie sollte es anders sein. Auch am nächsten Morgen, lassen wir uns den Sonnenaufgang nicht entgehen. Zusammen mit Sarah, Sebastian und Tom fahre ich zum Lej da Staz. Von einem nahegelegenen Parkplatz, legen wir die letzten Meter zu Fuß zurück und treffen auf drei weitere Fotografen, die bereits ihre Stative aufgebaut haben. Glücklicherweise ist Sebi bestens vorbereitet und springt für die perfekte Bildkomposition ins Wasser. Da wir noch etwas Zeit haben, begeben wir uns noch vor dem Frühstück zum Julierpass, um ein paar Aufnahmen von dem Audi Q8 zu machen. Das Licht ist bereits relativ stark, sodass wir planen, gegen Nachmittag einen zweiten Versuch zu unternehmen. Nach dem Frühstück auf der Terrasse des Hotels geht es zum Standup-Paddling, das zu den umfangreichen Sommeraktivitäten der Region zählt. Bei den warmen Temperaturen, kommt uns die Abkühlung im Wasser sehr gelegen. Danach fahren wir mit der Bergbahn zur Quattrobar, um dort zu Mittag zu essen. Viele Wanderer und Mountainbiker nutzen die Möglichkeit, auf der Terrasse Rast zu halten und auch wir genießen das warme Sonnenlicht in angenehmer Atmosphäre. Mit der Bahn fahren wir noch weiter nach oben und schauen von einem der drei 3000er, dem Piz Nair, runter auf St. Moritz. Gegen Nachmittag reisen wir nach Pontresina zu unserer letzten Unterkunft, dem Grandhotel Kronenhof. Vor dem Abendessen haben wir noch genug Zeit, um uns ein wenig zu entspannen und die zweite Serie am Julierpass aufzunehmen. Den letzten Abend runden wir in gemütlicher Runde bei Cocktails in der Hotelbar ab. 

Nachdem ich am nächsten Morgen meinen Koffer gepackt habe, genieße ich einige Minuten der Ruhe auf der Terrasse meines Hotelzimmers. Ein letztes Mal trifft sich die Gruppe zum gemeinsamen Frühstück, ehe es Zeit wird Abschied zu nehmen und die Q8 Flotte zum Münchner Flughafen aufbricht. Allen Teilnehmern ist anzumerken, dass der Trip gerne hätte weitergehen können. Die Rückfahrt nach München verläuft problemlos und wir treffen rechtzeitig das vorherrschende Chaos am Flughafen an, das durch eine Sicherheitspanne einige Stunden zuvor ausgelöst worden war.Während ich mit meiner Mutter telefoniere und noch unsicher bin, ob ich es rechtzeitig durch die Sicherheitskontrolle und in den Flieger schaffe, wünsche ich mir die gemütlichen Sitze des Q8 zurück. In Windeseile sprinte ich zum Gate, das aufgrund der Tumulte noch nicht einmal geöffnet ist. Nochmal Glück gehabt. Als ich meinen Sitzplatz einnehme, fallen mir relativ schnell die Augen zu, sodass ich zunächst nicht mitbekomme, dass wir erst eine Stunde später abheben. Jedoch ist die Aufregung meiner Sitznachbarinnen so groß, dass ich den Lautstärkeregler meiner Kopfhörer gar nicht laut genug einstellen kann. Die Verspätung ist mir in diesem Moment egal. Viele Flüge nach Köln-Bonn wurden gestrichen, sodass ich heilfroh bin, wenigstens am selben Tag anzukommen und nicht wie viele andere, am Münchner Flughafen ausharren zu müssen. Kurz vor Abflug schicke ich eine letzte Nachricht an meine Mutter: „Ich bin endlich unterwegs nach Hause“, und gehe nochmal die Schnappschüsse auf meinem Handy durch. Festzuhalten bleibt ein erlebnisreicher Roadtrip, mit einer Gruppenkonstellation die man sich besser nicht vorstellen kann. 

Ich danke dem Team von Best of the Alps, friendship.is, allen Teilnehmern und unseren Instrukteuren Alex und Uwe für die tolle Zeit. Hoffentlich sieht man sich bald einmal wieder! 

[Anzeige] Die Nikon D850 im Handgepäck - Reisebericht über meinen Roadtrip durch Island

Wer in den vergangenen Tagen nach Island im Internet sucht, stößt auf den skandalösen Fang eines Blauwals oder den Rücktritt des Fußballnationaltrainers. Zugegebenermaßen stellt der Walfang ein heikles Thema dar. Unabhängig davon, ob ich Bekannten von den Färöer Inseln, Norwegen oder dem benannten nordischen Inselstaat vorschwärme, die Jagd auf die bedrohten Lebewesengiganten wird immer wieder hinterfragt. Obwohl viele Menschen mit Island den Walfang assoziieren, kann sich die Insel vor den Touristenströmen kaum retten. 

 Nikon D850 +28mm. f/1.4

Nikon D850 +28mm. f/1.4

Nachdem ich bereits im vergangenen Jahr Zeuge und Teil des Tourismusbooms werden durfte, führte auch in diesem Jahr kein Weg an der spektakulärsten Landschaft Europas vorbei. Aus der Sicht eines Fotografen, ließ die letzte Reise nach Island wettertechnisch jedoch zu wünschen übrig. Elf Tage lang durchquerte ich zusammen mit zwei Freunden die endlos langen Straßen der Insel. Neun davon verbrachten wir tagsüber unter strahlend blauem Himmel und waren im August für das magische Licht der Mitternachtssonne schlichtweg zu spät unterwegs. Nicht das, was man sich als Landschaftsfotograf für dramatische Aufnahmen mit düsteren Wolkenfeldern erhofft.  Bei meiner Heimkehr berichtete ich meiner Familie begeistert von der Vielfalt der Insel. Das sonnige Wetter beeinträchtigte als Wermutstropfen allerdings den Gesamteindruck der Reise. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war ich mir sicher, dass ich in absehbarer Zeit zurückkehren müsste. 

 Nikon D850 + 24-70mm. f/2.8

Nikon D850 + 24-70mm. f/2.8

Anfang Juli war es dann endlich soweit. Zusammen mit einem Freund flog ich von Frankfurt mit dem Flugzeug nach Keflavik, wo unser sechstägiger Roadtrip durch Island startete. Bei unserer Ankunft platzte mein Handgepäck nahezu aus allen Nähten. Nachdem ich im vergangenen Jahr bei meinem alten System auf verschiedene Brennweiten verzichtetet hatte, entschied mich in diesem Jahr, alle Brennweiten meines neuen Nikon-Equipments mitzunehmen und die D850 auf Herz und Nieren zu prüfen. Da die meisten Spots in Island mit dem Auto erreichbar sind, hat man nur selten Probleme durch einen schweren Rucksack. Wie auch beim letzten Mal, wurden wir auch in diesem Jahr von sonnigen Wetterverhältnis in Empfang genommen. „Das wird sich sicherlich noch ändern“ - redete ich mir ein. Ich sollte mit meinen Worten tatsächlich Recht behalten.

Auf unserem Weg zum Kirkjufellsfoss zogen sich die Wolken langsam zusammen, sodass wir bereits auf dem Weg zu unserem ersten Ziel einige Aufnahmen machen konnten. Pünktlich zu Sonnenuntergang trafen wir am Parkplatz nahe des Kirkjufell-Berges ein. Dem ein oder anderen mag dieser Ort ein Begriff aus der Serie Game of Thrones sein, wo er als Pfeilspitzen-Berg bezeichnet wird. Während sich die meisten Fotografen nahe des Kirkjufellsfoss positionierten, entdeckten wir auf dem Weg zu dem Wasserfall eine große Pfütze, in der sich die eindrucksvolle Bergspitze spiegelte. Alleine für dieses Foto hatte sich die Fahrt Richtung Norden bezahlt gemacht. 

 Nikon D850 + 14-24mm. f/2.8

Nikon D850 + 14-24mm. f/2.8

Am nächsten Morgen ging es für uns weiter in Richtung Süden. Falls jemand nur wenige Tage Zeit hat und dennoch so viele beeindruckende Orte wie möglich sehen möchte, kann ich demjenigen insbesondere diese Region ans Herz legen. Auf wenigen Kilometern wird man Zeuge gewaltiger Naturschauplätze, bei denen es sich häufig um meterhohe Wasserfälle handelt. Einer von ihnen ist der Seljalandsfoss der nahe der Ringstraße zwischen Hvolsvöllur und Skógar liegt. Sowohl bei der Aufnahme des Kirkjufell-Berges als auch am 66-Meter hohen Seljalandsfoss war ich froh, mein 14-24mm. Weitwinkelobjektiv dabei zu haben, um die Orte in ihrem beeindruckenden Ausmaß festhalten zu können. 

Im Anschluss an die beiden Wasserfall-Riesen Seljalandsfoss und Skógafoss fuhren wir nur wenige Meter weiter zum Parkplatz des Skógar-Museums. Die meisten Touristen brechen nach der Besichtigung des imposanten Skófafoss direkt auf und verpassen dadurch ein weiteres Naturschauspiel.

Im Gegensatz zu den bereits angesprochenen Wasserfällen, war der dritte Wasserfall zwar recht zierlich, doch begeisterte uns getreu dem Motto klein aber fein. Weder im Internet noch vor Ort findet man einen Namen oder eine genaue Wegbeschreibung, was uns jedoch nicht davon abhielt, die Region rund um das Museum näher zu erkunden. Anhand des Satellitenbildes hatten wir den Wasserfall entdeckt und mussten hinter dem Museum lediglich den bereits vorhandenen Fußspuren folgen. Da es noch recht früh am Morgen war, hatten wir die wunderschöne Kulisse für uns. Auch dort blieb mir die Panoramaaufnahme sowie das lästige Zusammensetzen mehrerer Fotos in der Nachbearbeitung erspart, da ich mit dem Weitwinkelobjektiv alles mit einer Aufnahme abbilden konnte. 

Bei unserem nächsten Stop kam dann endlich mein Teleobjektiv zum Einsatz. Nachdem mich das 70-200mm. bereits in den letzten zwei Monaten in China, England, Frankreich und Norwegen begeistern konnte, freute ich mich, es auch in Island wieder mit dabei zu haben. Sowohl auf 70mm. als auch 200mm. macht das Objektiv im Zusammenspiel mit den 45,7 Megapixeln eine gute Figur. Sofern die 200mm., wie bei dem Foto des Puffins, einmal nicht ausreichen, kann man in der Nachbearbeitung mit ruhigem Gewissen weit genug reinzoomen, ohne große Verluste der Qualität in Kauf nehmen zu müssen.

Rund 70 Kilometer von Vík entfernt liegt Fjaðrárgljúfur. Sowohl der Canyon  als auch dessen Aussprache machten mich bereits bei meinem ersten Besuch sprachlos. Die etwa zwei Kilometer lange Schlucht entstand durch das fließende Wasser des Flusses Fjaðrá, indem unteranderem Justin Bieber bereits ein Bad nahm. Über einen ausgebauten Wanderweg gelangt man zu der Aussichtsplattform, die den besten Blick in den Canyon bietet. 

 Nikon D850 + 14-24mm. f/2.8

Nikon D850 + 14-24mm. f/2.8

Als letztes fuhren wir zu der Gletscherlagune Jökulsárlón, die neben dem größten Gletscher Europas, dem Vatnajökull, liegt. Im Gegensatz zum Film "Stirb an einem anderen Tag", spielte sich während unseres Besuchs keine Verfolgungsjagd auf dem Gletschersee ab und auch Pierce Brosnan war nicht in Sichtweite. Dennoch stellte der Besuch der eisigen Gletscherlagune einen schönen Abschluss einer beeindruckenden Reise dar. 

 Nikon D850 + 70-200mm. f/2.8

Nikon D850 + 70-200mm. f/2.8

Auch nach meiner zweiten Reise nach Island, kann ich jedem empfehlen, sich selbst von der beeindruckenden Natur ein Bild zu machen. Island ist immer eine Reise wert, so viel steht fest. Nachdem ich nun bereits zum zweiten Mal im Sommer vor Ort war, kann ich es kaum erwarten, die Insel im diesjährigen Winter zu erkunden. Zu guter Letzt möchte ich mich ganz herzlich bei Nikon Deutschland für die großartige Unterstützung und die bisherige Zusammenarbeit bedanken. Ich freue mich bereits auf unser nächstes gemeinsames Projekt. 

[Anzeige] Pandabären, Bambuswälder und Feuertopf - der legendäre Südwesten Chinas

Es ist Anfang Juni und kurz nach 22 Uhr. Ich sitze am Schreibtisch in meinem Hotelzimmer und importiere die Fotos von meiner Speicherkarte auf die Festplatte meines Rechners. Während sich im schleichenden Prozess meine Lightroom-Bibliothek füllt, lasse ich die letzten Tage noch einmal Revue passieren. Ich befinde mich 7885 Kilometer von zu Hause entfernt und mein Hotelzimmer erweckt den Anschein als ob ein Frühpubertierender sturmfrei hätte. Auf dem Schreibtisch reihen sich Cola-Dosen mit der Aufschrift 可乐 aneinander. Daneben liegen frisches Obst und zahlreiche Süßigkeiten aus der Heimat; eingekauft im nahegelegnen Supermarkt für 67,79 Renminbi Yuan (CNY) - umgerechnet nicht einmal zehn Euro. Aus meinem überladenen Koffer schauen mir die Pandabärkuscheltiere bereits entgegen, als wollten sie signalisieren, dass dieser wegen Überfüllung nun geschlossen sei. Der großen Herausforderung des Kofferpackens gehe ich erst einmal aus dem Weg. Ich schaue aus dem Fenster des Hotelzimmers auf einen nahegelegenen Platz und beobachte eine kleine Menschenmenge vor einem Supermarkt. Jung und Alt, ein Altersunterschied von schätzungsweise 50 Jahren, die sich zur späten Stunde noch unterhalten. Worüber mögen sie wohl reden? Wie es der Familie geht? Ob den Jüngeren ihr Studium Spaß macht? Ich weiß es nicht. Selbst wenn ich unmittelbar daneben stehen würde, wäre ich derselbe stille Beobachter, der allerhöchstens Emotionen anhand ihrer Gestik und Mimik zu deuten versuchen könnte. Der Importiervorgang der Fotos ist inzwischen abgeschlossen. Ich synchronisiere meine fotografischen Highlights des Tages mit meinem iPhone und füge sie zu meiner Instagram-Story hinzu. Den letzten Schnappschuss beschreibe ich mit den Worten: „We finally met some Pandas“ und teile die Momentaufnahme des kuscheligen Säugetieres mit der Außenwelt. Ähnlich wie an den vorherigen Abenden ist es spät geworden. Ich putze mir die Zähne und stelle meinen Wecker auf 09.30 Uhr; denn im Gegensatz zum bisherigen Tagesprogramm, kann ich am letzten Tag unseres Trips ausschlafen. Ich schalte das Licht aus, schließe meine Augen und trete eine Zeitreise durch die vergangenen Tage an. 

Unsere Reise startet in Frankfurt, wo sich alle Reiseteilnehmer zusammenfinden. Nach kurzem Kennenlernen am Check-In-Schalter, geht es zu neunt zum Gate von Air China. Die letzte Möglichkeit, sich die Beine zu vertreten und sich mit Lesestoff für den zehnstündigen Flug in das weinentfernte China zu versorgen. Viele Sitzplätze bleiben frei, sodass uns das Bordpersonal genehmigt, uns ein wenig auszubreiten. Einige Angehörige der Blogger-Reise waren bereits einmal in Asien. Zusammen mit meinen Sitznachbarn Frauke, Marcel und Pelle betrete ich Neuland. Wir tauschen uns über unsere Erwartungen an das Land aus und schnell wird deutlich, dass alle besonders auf das Essen gespannt sind. Die Verpflegung während des Flugs lässt uns einen ersten Vorgeschmack erhaschen. Vom kulinarischen Angebot bin ich positiv überrascht. Nach dem Essen schaffe ich es die Augen zu schließen, ehe durch den Flieger ertönt, dass wir in Kürze den Landeanflug antreten. 

Wir landen in Chengdu, der Hauptstadt der Provinz Sichuan. Der Mehrheit unserer Gruppe sieht man den Schlafmangel an. Die meisten, mich inbegriffen, würden am liebsten weiterschlafen. Doch am ersten Tag startet bereits unser Programm, sodass es erforderlich ist, sowohl den Jetlag als auch den inneren Schweinehund zu überwinden. Nach der Überprüfung unserer Einreisegenehmigung und der erneuten Kontrolle unseres Gepäcks, treffen wir auf unseren Reiseführer Billy. Als er uns sieht, strahlt er über beide Ohren und heißt uns herzlich willkommen. Er führt uns zu unserem Reisebus mit dem wir zu unserer ersten Unterkunft fahren. Unter schwülen Wetterbedingungen durchqueren wir den Weg vom Flughafen bis zum Hotel. Während wir einen ersten optischen Eindruck von der Architektur Chengdus vermittelt bekommen, erzählt Billy über den Aufbau und die Historie der Stadt. Diese sei seit Jahrhunderten für ihre ausgezeichnete Küche, die romantischen Teehäuser, zahlreichen Parks und Tempel bekannt und zähle mittlerweile über zwölf Millionen Einwohner. Heute gilt Chengdu als eine der am schnellsten wachsenden Städte der Welt. Während man die Wolkenkratzer und modernen Wohnhochhäuser kaum mehr nachzählen könne, fände man nur noch wenige alte Gebäude. Die Strecke vom Flughafen zu unserem Hotel ist nicht besonders lang. Allerdings herrscht bereits in den frühen Morgenstunden sehr dichter Verkehr und im Gegensatz zu den deutschen Vorschriften, scheint es hier keine Helmpflicht für Zweiradfahrer zu geben. Im Hotel angekommen, verbleibt genug Zeit, um sich noch einmal hinzulegen und sich frisch zu machen. Gegen Mittag fahren wir mit dem Bus zu unserem ersten Ziel, dem buddhistischen Wenshu-Kloster. Wir erfahren, dass der Tempel dem Wenshu, dem Gott der Weisheit gewidmet wurde und dass die Gründung auf das siebte Jahrhundert zurückgeht. Viele Chinesen huldigen kniend unter den Kiefern- und Gingkobäumen den Schreinen. 

Im Anschluss fahren wir weiter zur Jinli Altstraße, welche als erste Straße des Shu-Königreichs bezeichnet wird. Im Gegensatz zum Wenshu-Kloster, ist die Jinli-Straße dicht besiedelt, sodass man schnell den Überblick über die anderen Mitreisenden verliert. Was mir jedoch sehr gut gefällt, ist die traditionelle und bunte Architektur der Gebäude, die ein Kontrastprogramm zur modernen Innenstadt darstellen. Den ersten Tag lassen wir in einem der nahegelegenen Parks ausklingen. Wir sind sichtlich begeistert. Sowohl junge als auch alte Leute treiben gemeinsam Sport, musizieren oder unterhalten sich bei einer Tasse Tee. Und wir stellen schnell fest, dass sie sich darüber freuen, dass wir an ihrer Kultur interessiert sind. 

Am darauffolgenden Tag fahren wir in das nahegelegene Leshan, wo wir im Rahmen einer Bootsfahrt die weltgrößte Buddha-Figur aus Stein besichtigen. Diese ist 71 Meter hoch und bis zu 28 Meter breit. Die Figur wurde im achten Jahrhundert über 90 Jahre lang von buddhistischen Mönchen in eine Felswand gehauen, um die passierenden Boote und ihre Passagiere vor Unwettern zu schützen. Nicht nur die Figur wird von den Touristen fotografiert. Auch wir werden von zahlreichen Einheimischen nach Selfies gefragt und mutieren zur Überraschungsattraktion der Bootsfahrt. Im Anschluss an das Mittagessen fahren wir weiter zum Fuß des Eimeishan Bergs, den wir am nächsten Morgen besichtigen. Der Emeishan Berg ist einer der vier heiligen Berge des Buddhismus und liegt 160 Kilometer von Chengdu entfernt. Seit dem sechsten Jahrhundert gilt das Gebirge als heiliger Ort des Buddhismus. Vor unserem Gipfelantritt werden wir ausdrücklich davor gewarnt, unsere Wertgegenstände aus unseren Hosentaschen zu entfernen und bestmöglich im Rucksack zu verstauen. Denn die dort ansässigen Makaken sind Menschen gegenüber sehr zutraulich. Am Gipfel angekommen, befinde ich mich in einem Wechselbad der Gefühle. Einerseits bin ich fasziniert von der tollen Aussicht, andererseits ein wenig enttäuscht, die Affen nicht gesehen zu haben. Nach einem etwa einstündigen Aufenthalt auf dem Gipfel des Emeishan, treten wir den Weg zurück ins Tal an. Und wer hätte es gedacht, die Makaken haben sich bereits auf die Lauer gelegt. Eigentlich bin ich ein großer Fan von Überraschungen. Es wirkt allerdings eher angsteinflößend als überraschend, wenn ein Affe mit einer Mülltüte bis auf wenige Zentimeter an einem vorbeiläuft. Zudem muss ich zugeben, dass ich mir die Tiere deutlich kleiner vorgestellt hatte. Zumindest von meiner Seite aus besteht großer Respekt gegenüber den Makaken. 

Als ich abends ein Foto bei Instagram teile und die anderen Nutzer frage, ob sie bereits Erfahrungen mit den Affen am Emeishan Berg gesammelt haben, schreibt mir ein Nutzer, dass ihm ein Affe auf seinen Rucksack gesprungen sei. Rückblickend bin ich heilfroh ein gesundes Maß an Distanz eingehalten zu haben.  

Aufgrund einer Vollsperrung verbringen wir den vierten Tag nur im Bus und nutzen die Zeit, um uns sowohl über unsere bisherigen Eindrücke als auch weiteren Erwartungshaltungen an die Reise auszutauschen. Hoch im Kurs steht bei allen der Besuch der Pandabärstation. Gegen Abend kommen wir im tibetisch geprägten Gebiet des Danba-Tals an. 

Am nächsten Morgen erkunden wir die Dörfer der Region und erhalten einen Einblick in das Leben und die Kultur der Bewohner des Danba-Tals. Die Menschen sind sehr freundlich. An verschiedenen Parkplätzen bietet sich die Möglichkeit, Gewürze oder frische Lebensmittel bei Einheimischen zu kaufen. Obwohl keiner von ihnen der englischen Sprache mächtig ist, funktioniert die Verständigung über Gestik und Mimik. Insbesondere durch die getrockneten Apfelscheiben, ziehen sie einige von unserer Gruppe als Neukunden an Land. Im Anschluss an die Erkundung der Dörfer, besichtigen wir die Innenstadt Sezuans. Während wir durch die Stadt spazieren und am ein oder anderen Schaufenster anhalten, wird mir bewusst, dass wir zumindest optisch Außenseiter sind. Egal wo wir sind, wir fallen auf. Wir sehen nicht aus wie die meisten und ich stelle mir die Frage, wie es wohl wäre, hier geboren zu sein. Ich hätte andere Werte vermittelt bekommen, wäre Teil einer anderen Kultur. Immer wieder mache ich mir bewusst, wie weit ich von zu Hause entfernt bin und wie schnell eine andere Welt heute zu erreichen ist. Plötzlich blicke ich in das lächelnde Gesicht einer alten Frau und erneut realisiere ich, dass es egal ist, woher man kommt, wie man erzogen wurde und welcher Religion man angehört. Im Endeffekt schlägt jedes Herz gleich. 

Am sechsten Tag ist es dann endlich soweit. Wir bekommen die Pandabären hautnah zu Gesicht. Und schnell wird deutlich, dass an der zugeschriebenen Gelassenheit der Tiere etwas wahres dran ist. Während einer der Pandabären im Baum sitzt und sich nicht vom Fleck rührt, kauen die anderen an ihren Bambusstangen. Billy erklärt uns, dass ihre Gelassenheit damit zusammenhänge, dass die Bären einen ungewöhnlich niedrigen Energieverbrauch haben. Ein Vorteil für das perfekte Foto. Denn so leicht ist es bislang keinem von uns gelungen, ein Tier fotografisch einzufangen.

Am vorletzten Tag besuchen wir das UNESCO Weltkulturerbe Dujiangyan, das seit 2300 Jahren den Fluss Min reguliert. Dort begegnen wir einer chinesischen Schulklasse, die von unserem Besuch total fasziniert ist. Im Gegensatz zu den meisten anderen Einheimischen, sprechen sie sehr gut Englisch und zählen uns zahlreiche deutsche Nationalspieler auf, denen sie nacheifern. Zu guter Letzt machen wir ein gemeinsames Gruppenfoto, ehe wir zurück nach Chengdu fahren.


Meine Zeitreise endet. Um 09.30 Uhr klingelt wie geplant mein Wecker und der letzte Tag unseres Aufenthalts in China bricht an. Ebenso wie ein Teenager unter Zeitdruck steht, das Haus vor der Ankunft seiner Eltern in einen vernünftigen Zustand zu bringen, widme ich mich der Aufgabe, auf Biegen und Brechen alles in meinem Koffer zu verstauen. Das lebensgroße Pandabärbaby-Kuscheltier stellt dabei keine große Hilfe dar. Um 12.00 Uhr verlasse ich wie geplant das Hotelzimmer und treffe mich mit den anderen Reiseteilnehmer in der Lobby.  Am Nachmittag besuchen wir das bekannte Sanxingdui Museum, bevor wir den letzten Abend beim Hot-Pot-Essen, Sichuans kulinarischer Spezialität, ausklingen lassen. Nach einem letzten Spaziergang durch die Straßen Chenguds, brechen wir gegen 21.30 Uhr in Richtung Flughafen auf. Während des Rückflugs finde ich nur wenig Schlaf. Ich durchforste mein Handy nach den Fotos und Videos der vergangenen Woche und mir wird bewusst, dass dies nicht meine letzte Reise nach Asien war.